Palästinademo in HL – Ein Erlebnisbericht

Am 17. Januar versammelten sich ca. 750 Personen vor dem Lübecker Holstentor, um gegen die israelische Verteidigungspolitik im Gaza-Streifen zu protestieren. Der „Rat der islamischen Gemeinschaften in S-H“ hatte schon an den ersten zwei Wochenenden dieses Jahres Demos dieser Art in Lübeck organisiert.
Während die Forderungen der ersten zwei Demonstrationen nach „Frieden“ und der Beendigung des Krieges eher langweilig und wenig spektakulär waren, zeichnete sich dieses Stelldichein durch sein hohes Selbstbewusstsein aus: angegriffen wurde nun das Existenzrecht Israels mithilfe antisemitischer Klischees und wirrer Verschwörungstheorien.
Die liebevoll mit Kunstblut befleckten Kinderpuppen verschwanden beinahe unter einer Flut von Palästina-Flaggen. Passend zu den Nationalfahnen gruseliger Staaten wie die des Libanons oder Deutschlands fand sich auch eine Hisbollah-Fahne wieder (Strafanzeige?). Mit viel Pathos und ein wenig Selbstmitleid wurde Israel als Kindermörder verleumdet, was sich nicht nur in den Parolen, sondern auch in den Bildern verwundeter Kinder und Frauen mit der Unterschrift „Stop killing Kids“ (samt Davidstern, da alle Juden ja irgendwie Israelis sein müssen, das lässt sich sicherlich verstehen!), äußerte.
Vor diesem Hintergrund verwundert auch jenes Transparent nicht, das rhetorisch fragt: „Wer regiert die Welt? Wacht auf!“ Die logische Konsequenz daraus zieht eine junge Muslime: „Boycott Israel“, Kauft nicht bei Juden 2.0. Ein weiteres Transparent erklärt, Palestinenserrechte [sic!] seien auch Menschrechte. Sein Träger hatte das grüne Stirntuch der Hamas umgebunden.
Nun wäre es unangebracht, der Demo einen antiemanzipatorischen oder gar sexistischen Charakter zuzuschreiben. Zwar wies der Organisator kurz vor Beginn der Demonstration die Teilnehmer an, dass Frauen und Männer getrennt voneinander zu gehen haben, aber Familien durften im Zweifelsfall auch gemeinsam gehen. Auch Islamisten haben Herz. Denn was gibt es Schöneres als einen gemeinsamen Samstagspaziergang mit der Familie bei Schlachtrufe wie „Allahu-akbar“ und „Intifada bis zum Sieg“?
Doch trotz harter Parolen barg die Stimmung eine gewisse Teehausromantik. Man war unter sich, traf zwischen Media-Markt, Koranunterricht und McFit die Glaubensbrüder und hatte insgesamt einen angenehmen Samstagnachmittag. Mission accomplished.

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