Personenkult und Projektion

Am 8.11.2008 fand in Lübeck eine von der Lübecker Gruppe „Anarchist Federation“ initiierte und von etwa 100 Leuten besuchte Demonstration unter dem Motto „Deutschland? – Nie wieder! Gegen Rassismus und Antisemitismus! Gegen Volk und Nation!“ statt.

In dem eher plakativen und von einigen merkwürdigen Formulierungen (1) durchzogenen Aufruf, den sechs weitere linksradikale Gruppen aus Schleswig-Holstein unterzeichneten, wurden in einem kurzen Absatz die gegen Jüdinnen und Juden gerichteten Novemberpogrome, die einen vorläufigen Höhepunkt im deutschen Vernichtungsantisemitismus darstellten, thematisiert.

In den folgenden beiden Absätzen wurde auf den sich kurz nach dem Fall der Mauer am 9.11.1989 entwickelnden deutschnationalen Taumel und seine folgerichtigen Begleiterscheinungen wie die damals fast täglichen Hetzjagden und pogromartigen Ausschreitungen des deutschen Mobs gegen alle als „Volksfeinde“ identifizierten Menschen eingegangen sowie ein Blick auf die heutigen deutschen Zustände geworfen.

Ließ nun bereits der Aufruf aufgrund der oben genannten Kritikpunkte sowie die Vorbereitungsphase nicht all zuviel Gutes erwarten, so gestaltete sich die Veranstaltung dann leider noch um einiges schlimmer als gedacht. Während der Großteil der Schleswig-Holsteiner Restautonomen lieber im Wendland durch den Schlamm robbte und mit der Gutmenschen-Zivilgesellschaft gegen den Castor demonstrierte, fanden sich, wie bereits erwähnt, gerade einmal knapp 100 Leute ein: darunter einige organisierte Menschen sowie der übliche Klüngel aus erlebnisorientierten und mit Bierflaschen bestückten Punkerkiddies.

Begleitet wurde die Demonstration durch die üblichen stumpfen und absolut nicht anlassbezogenen Parolen. So waren neben dem obligatorischen „Nazis raus“ -Geschreie auch so genannte „sozialrevolutionäre“ Parolen zu hören, die kraft des emporragenden und durch Rosa Luxemburgs Konterfei verzierten Transparents „Revolution statt Deutschland“ der Kieler Gruppe „Zunder“ noch optisch untermalt wurden.

Hier stellt sich für uns die Frage, ob es der Gruppe Zunder überhaupt noch um ein Gedenken der Opfer des Antisemitismus geht, wenn ihr am Vortag des 70. Jahrestags der Reichspogromnacht nichts Besseres einfällt, als ihre Vorstellungen von „Revolution“ und „sozialer Befreiung“ nach Außen zu tragen. Denn auf uns wirkt dies eher wie eine Instrumentalisierung derjenigen, die um den 9.11.1938 Opfer des deutsch-völkischen Wahns wurden, nämlich der als „Gegenrasse“ imaginierten Jüdinnen und Juden.

Diese auf der Demo gezeigte Tendenz spiegelte sich auch in ihrem Redebeitrag beziehungsweise in ihrer Flugschrift wider, die sich inhaltlich auf alle Ereignisse bezieht, die an jenem geschichtsträchtigen Datum der deutschen Geschichte stattfanden.

Positiv, das Flugblatt betreffend, ist die Mühe der Gruppe „Zunder“, auf vier Seiten die wichtigsten Geschehnisse zu rekapitulieren, wobei der Personenkult ein wenig stört. Denn nebst der die Vorderseite des Flugblatts schmückenden Rosa Luxemburg lässt sich noch ein weiteres Porträt – diesmal aus dem Fundus der realsozialistischen“ Elite -, nämlich der autoritäre Schwulenhasser Ernesto „Che“ Guevara auf einem Bild DDR-Oppositioneller wieder finden, die nicht etwa die Parteienherrschaft der Emanzipation wegen negierten, sondern sie lediglich reformieren wollten.

Darüber hinaus fällt die Gruppe „Zunder“ der vulgären Dichotomie vom gesellschaftlichen Oben und Unten anheim, was sich vor allem am Ende des Flugblattes offenbart, da dort behauptet, wird, wo es an einer „revolutionäre[n]Bewegung von unten“ mangele, siege die Barbarei, was impliziert, der Faschismus sei ein „von Oben“ oktroyierter gewesen und habe keine Massenbasis besessen. Allerdings haben ebenso Arbeiter und sich sozialistisch dünkende Personen gegen das „Judenkapital“ gehetzt, was verifiziert, dass das Proletariat keine privilegierte erkenntnistheoretische Stellung hat, sondern genauso den Verblendungszusammenhängen unterliegt und diese nicht eo ipso durchdringen kann.

Aber Antisemitismus und Rassismus sind nicht etwa Instrumente „der Herrschenden“, wie die Gruppe „Zunder“ in einem Absatz suggeriert (2), sondern Ausdrücke eines Drangs zur Personalisierung und Konkretisierung abstrakter Sachzusammenhänge und der negativen Aspekte des Kapitals. Daher sind die „zaghafte[n], oft noch ziellose[n] Versuche […] das Bestehende zu hinterfragen“, um die man nicht „drumrum“ [sic] kommt und die, „Zunder“ zufolge, ob der aktuellen Krise aufkeimen sollen, nicht per se emanzipatorisch, auch nicht, wenn sie die Massen erreichten, wovon gen Ende der Schrift ebenfalls deliriert wird.

Positiv hervorzuheben an dieser Demonstration wäre lediglich zweierlei: Zum einen die Tatsache, dass wohl erstmalig in Schleswig-Holstein Israelfahnen auf einer Demonstration zu sehen waren, deren Trägerinnen und Träger nicht um ihre physische Unversehrtheit fürchten mussten und zum anderen der Redebeitrag der Kieler Gruppe „Marlene hates Germany“, der jedoch durch einige Demoteilnehmer belächelt beziehungsweise gestört wurde.

Die nur sporadisch funktionierenden Boxen des Lautsprecherwagens kompromittierten diese Veranstaltung endgültig und wurden lediglich durch die Wortwahl der Gruppe „Schwarze Ranke“ übertroffen, die von Menschen „jüdischer Abstammung“ schwadronierte, den Euphemismus „Reichskristallnacht“ für die Novemberpogrome verwendete und ihren Redebeitrag mit den Worten „Gegen jeden Staat – Für den Anarchismus“ beendete. Wer letzteres zu solch einem Anlass wiedergibt, hat wohl die Kontinuität des Antisemitismus nicht verstanden. Denn dass Israel bis heute den einzigen Schutzraum für Jüdinnen und Juden darstellt, an dem sie sich auch militärisch gegen jede Erscheinungsform des Antisemitismus verteidigen können, wird bei solch undifferenziert staatskritischen Aussagen deutscher Linker wie „Gegen jeden Staat“ schlechterdings übersehen.

  1. kranker Antisemitismus“, als ob es einen gesunden gäbe!

  2. […] nationalistische Kriegspropaganda und Minderheitenhetze der Mächtigen (!) […]“

  3. Dass israelsolidarische Personen in Norddeutschland weiterhin gefährlich leben, zeigten mal wieder die Ereignisse auf der Demo am 3.10.2008 in Hamburg.

Link zum Aufruf der Gruppe Anarchist Federaton
Link zum Flugblatt der Gruppe Zunder

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23 Antworten to “Personenkult und Projektion”

  1. Guter Text!

  2. Unsolidarisch aber gebildet…
    oder was sollte uns dieser Artikel nun zeigen? Das Antideutsche die einzig wahren Revolutionäre sind und -israel der Emanzipatorische Staat?
    Das ihr besser seit als Punker kiddies die Morgens ihren Arsch hoch bekommen um auf ne wichtige Demo zu gehen oder „bürgerliche“ die sich selber einiges abverlangen um den Castor aufzuhalten? Aber anstatt hier eine konstruktive Kritik anzubringen wird hier nur von oben herab über das im Schlamm robben hergezogen.
    Da gehen seit Jahren mal wieder richtig viele auf die Straße um den Castor aufzuhalten und somit direkt etwas an den bestehenden verhältnissen zu ändern und ihr habt nichts besseres zu tun als in einem absolut unsolidarischen Text über diese und zu guter letzt auch noch über Genossen aus Kiel die ebenfalls verschen etwas zu bewegen zu nörgeln und euch besser zu fühlen. Und Fremdwörter in solch einen Text zu mischen um den eigenen hohen Bildungsgrad zu betonen zeugt auch nicht gerade von Emanzipatorischen ansätzen sondern lässt eher durchblicken das ihr euch selber offensichtlich höher ansiedelt als andere Menschen.
    Solidarität statt Elitäres geprollere
    Bewegen statt reden

    verpisst euch aus unseren Reihen und trefft euch wo anders !

  3. stockfisch Says:

    „Das Antideutsche die einzig wahren Revolutionäre sind und -israel der Emanzipatorische Staat?“

    Nein, denn in gänzlich unrevolutionären Zeiten bleibt einem nichts anderes übrig als die Welt zu interpretieren, d.h. auf die herrschenden Zustände zu reflektieren. Israel ist kein emanzipatorischer Staat, aber der einzige, der den von Antisemitismus Verfolgten Schutz gewährt, darüber hinaus ebenfalls die einzige parlamentarische Demokratie im Nahen Osten. Israel ist ein gewöhnlicher bürgerlicher Staat, der aber eine historische Notwendigkeit angesichts des Unsäglichen, welches mit der Chiffre „Auschwitz“ bezeichnet ist, darstellt.

    „Aber anstatt hier eine konstruktive Kritik anzubringen wird hier nur von oben herab über das im Schlamm robben hergezogen.“

    Der Kritik ist ein negatives und somit destruktives Moment immanent; wir betreiben das, was in der Kritischen Theorie „negative Kritik“ oder bei Hegel „bestimmte Negation“ genannt wird. Der Vorwurf der „nicht konstruktiven Kritik“ impliziert selbst eine tendenzielle Theorie- und Kritikfeindlichkeit, wie sie in der deutschen Linken grassiert.

    „[…] und zu guter letzt auch noch über Genossen aus Kiel die ebenfalls verschen etwas zu bewegen zu nörgeln und euch besser zu fühlen.“

    Wir betreiben Kritik nicht, um uns „besser zu fühlen“ oder um uns zu profilieren, sondern weil sie angesichts dieser Demonstration und des Aufrufes der „Genossen aus Kiel“ schlicht notwendig ist, denn jene Manifestationen sind symptomatisch für bestimmte Denkfehler innerhalb der Linken.

    „Und Fremdwörter in solch einen Text zu mischen um den eigenen hohen Bildungsgrad zu betonen zeugt auch nicht gerade von Emanzipatorischen ansätzen sondern lässt eher durchblicken das ihr euch selber offensichtlich höher ansiedelt als andere Menschen.“

    Auch Fremdwörter benutzen wir nicht, um zu betonen, dass wir uns besser wähnen, sondern weil es manchmal kein (Achtung: drei Fremdwörter!) adäquates Pendant im „genuin“ Deutschen gibt. Nichtsdestoweniger werden wir hier keine Debatte um das Für und Wider von Fremdwörtern anfangen, da der Kampf gegen den Purismus wahrscheinlich so alt ist wie dieser selbst. Nur eins lässt sich ideologiekritisch noch anmerken und zwar der Jargon vom Fremden, Schlechten und dem Guten, Autochthonen, der nicht zufällig an die Blut und Boden Ideologie erinnert; überspitzt gesagt: „Fremdwörter sind die Juden der Sprache“ (Th.W. Adorno).

  4. Maverique Says:

    Eigentlich ist ein Text, dessen Seriösität schon durch die mangelnde Motivation der Autorin/des Autors, sich orthografisch wengistens ansatzweise Mühe zu geben, angezweifelt werden kann, ebensowenig die Mühe wert, beantwortet zu werden; der abschließende „Appell“ macht dies jedoch notwendig – obwohl er angesichts der Uhrzeit sicherlich nur ein exzess- oder müdigkeitsbedingter Faux pas ist und allein schon deswegen mal ausnahmsweise zu entschuldigen ist.
    An diesem Text wird wieder einmal die Kritikfeindlichkeit einzelner AktivistInnen (ein Schelm, wer das auf die ganze Szene bezieht!) deutlich. Nach langem Überlegen drängt sich als Erklärung nur eine Antwort auf: die Einheitsfront soll um jeden Preis gewährleistet werden, Heterogenität und Kontroverse stünden dem nur entgegen.
    Kurz gedacht ist das auch richtig, nur soll nicht vergessen werden, dass man mit solch einer Diskursfeindlichkeit zumindestens jenseits des aktionistischen Antifaschismus nicht allzu viel bewegen wird.

  5. Maverique Says:

    Das war natürlich auf den Kommentar „Solidarität ist eine Waffe“ bezogen.

  6. Wir betreiben Kritik nicht, um uns “besser zu fühlen” oder um uns zu profilieren, sondern weil sie angesichts dieser Demonstration und des Aufrufes der “Genossen aus Kiel” schlicht notwendig ist, denn jene Manifestationen sind symptomatisch für bestimmte Denkfehler innerhalb der Linken.

    Nunja anstatt selber etwas auf die Beine zu stellen nörgelt ihr an den Aktionen anderer herum.

    Und sich mit einer offensichtlich rechten Regierung unter dem Deckmantel der von antisemitusmus verfolgten zu solidarisieren sollte nicht einmal zur diskussion stehen.

    und zur ortographie kann ich nur sagen vielleicht kann ich es ja schlicht und einfach nur nicht besser was natürlich noch einmal zeigt das herkömmliche Linksradikale neben ihrem heruntergekommenem äusseren auch keine rechtschreibung beherrschen.
    Und nichtsdestotrotz kenne ich trotz meiner mangelnden Bildung den Unterschied zwischen Kritik und dem versuch duch avantgardistische möglichstt elitäre Texte die Aktionen anderer zu konterkarieren um zu überspielen das es in der eigenen Ideologie keinerlei ansätze zur veränderung der bestehenden verhältnisse gibt.

  7. Maverique Says:

    Es geht um Kritik, deren Sinn und Anlass hier zu Genüge dargelegt wurden, was aber anscheinend komplett ignoriert wird.

    Die „rechte Regierung“ und den „Deckmantel“ halte ich für erläuterungswürdig, nicht dass heir etwas missinterpretiert wird.

  8. Der Fetisch der Praxis ist die Praxis des Fetischs

    Bezeichnenderweise tendiert die Kritik des Textes maßgeblich dazu, eine inhaltsleere Priorität eines unreflektierten Aktionismus‘ zu setzen. Emanzipation bedeutet nunmal auch, einen BEGRIFF der gesellschaftlichen Verortung der eigenen Wünsche/Bedürfnisse/KRITIK zu haben – eine Binsenweisheit, die leider einem nicht eben unerheblichen Teil der „praktischen“ GenossInnen abgeht. Die Kritik an Ansätzen, welche dem (ideologisch zutiefst bürgerlich geprägten) Voluntarismus widersprechen, hat leider eine lange Tradition in der Linken, und das hilflose Gestammel ihrer Protagonisten auf die Frage nach dem revolutionären Subjekt führt folgerichtig zu dem treffenderweise im Ursprungstext als „Instrumentalisierung“ bezeichneten Praxisverständnis.
    Demgegenüber steht eine Tradition emanzipatorischen Denkens, welches zunächst die Komplexität der Wirklichkeit anerkennt – und damit auch die reale Schwäche derjenigen, die sich zur Linken zählen. Oder, für die Rechtgläubigen, sinngemäß bei Marx: „Es reicht nicht, dass der Gedanke zur Wirklichkeit drängt, die Wirklichkeit muss zum Gedanken drängen“.
    Unsolidarisch wird der Text hingegen, wenn der Gruppe „Zunder“ (wenngleich in Form des Konjunktivs) Intentionen unterstellt werden in Form der Frage, ob es ihr überhaupt noch um ein Gedenken der Opfer des Antisemitismus gehe (Ich gehe davon aus, dass die VerfasserInnen des Textes auch GenossInnen der Gruppe „Zunder“ kennen. Ich selbst halte diesen Vorwurf jedenfalls für unzulässig). Die Schärfe der inhaltlichen, analytischen Kritik am desolaten Zustand der linken „Szene“ kann demgegenüber nur befreiend wirken – bedeutet diese doch, vertraute Parolen zugunsten gedanklicher Anstrengungen preiszugeben.

  9. Herr Keuner Says:

    1.
    „Während der Großteil der Schleswig-Holsteiner Restautonomen lieber im Wendland durch den Schlamm robbte und mit der Gutmenschen-Zivilgesellschaft gegen den Castor demonstrierte, …“

    Mag mir jemand mal erläutern, was ihr mit dieser Textpassage ausdrücken wollt?

    2.
    „… sowie das übliche Klüngel aus erlebnisorientierten und mit Bierflaschen bestückten Punkerkiddies.“

    Bitte um Korrektur: „der … Klüngel“ und nicht „das … Klüngel“

    Mag mir jemand mal erläutern, worin sich in diesem Fall das System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten ausdrückt?

    Vielen Dank!

    edit Admin: Vielen Dank für den Hinweis. Der Artikel wurde entsprechend korrigiert.

  10. Kunibald der Gnadenlose Says:

    Für einen so schlechten Text existiert eine eigene Homepage??? Schade, dass ihr offensichtlich einfach nicht bemerkt wie lächerlich ihr seid…..ich bin so froh, dass antideutsche zu konservativ sind um sich links nennen zu können.

  11. Nicht um des Textes Willen besteht – so nehme ich an – diese Homepage, sondern damit generell ein (wenn auch virtueller) Adressat für Kritik existiert; es gibt sehr wohl so genannte „Antideutsche“, die sich noch als links verstehen: zum Beispiel „Sinistra! – radikale LINKE“.

  12. Im Dezember 1991 brannte in Göttingen eine Kleingartenkolonie nach einem Brandanschlag teilweise ab. In einem Selbstbezichtigungsschreiben bekannte sich eine „Anti-Deutschland-Liga“ zu der Tat – mit einem Sammelsurium von antideutschen Parolen, z.B. „Deutschland den Ausländern“. Doch was wie ein Anschlag linker Militanter aussehen sollte, wurde schnell als das entlarvt, was es war: eine Nazi-Aktion. Jedem Linken bei halbwegs klarem Verstand mußte schon beim ersten Lesen des Pamphletes klar werden, daß es, daß die ganze Aktion ein Fake sein mußte. Die Fälschung war aber nicht bloß zu schlecht gemacht, sie paßte auch einfach überhaupt nicht in die politische Landschaft, denn antideutsche Parolen, wie wir sie heute kennen, gehörten bis dato noch nicht zum linken Argumentationsrepertoire, waren allenfalls als bierselige Punk-Attitüde en vogue („Deutschland muß sterben“). Die antideutsche Tendenz steckte noch in den Kinderschuhen und hatte sich längst noch nicht zur heutigen Verbalradikalität durchgerungen. Die manisch-germanischen Aktivisten waren, so selten das ist, ihrer Zeit voraus gewesen.

    Denn „Antideutsch“ war bis dahin nichts anderes gewesen als ein rechter Kampfbegriff mit jahrzehntelanger völkischer Tradition.

    http://arranca.nadir.org/arranca/article.do?id=174

  13. killallgermans Says:

    das mit dem Wendland find ich schön… scheiß hippies

    aber ansosnten ein weiterer Text, der im Grunde genommen ganz in der studentischen Tradition der mitteleuropäischen Linken steht, von der sich ach so emanzipatorische (oder doch viel mehr pubertär-identitäre 😉 Antideutsche so gerne abgrenzen wollen… wobei dieser text wenigstens noch verständlich formuliert ist. achja die kritik am text der schwarzen Ranke find ich auch recht gut, aber die kritik am text von Zunder wirkt eher wien durchgedrehter CSUler der auch mal was sagen dorfte

    achja sehr lustig für ne antideutschegruppe sich sinistra zu nennen –
    die italienische linke würde im allgemeinen israel recht gern zerbombt sehen, aber so is das halt, wenn die eigene weltkarte nur noch aus doofland und israel besteht

  14. Anarchosyndikalist Says:

    Ich hatte bis jetzt eine recht positive Meinung von der antideutschen Bewegung, weil ich sie oft recht interessante Dinge und Kritik an linker Selbstverständlichkeit hab sagen hören. Doch nun muss ich sagen bin ich enttäuscht, der Widerstand gegen den gefährlichen Castortransport wird ins lächerliche gezogen und politische AktivistenInnen die sich nach einer anderen Welt sehnen werden hier angegriffen. Eine Trennung wird hier gezogen zwischen angeblich ReflektiertenInnen und „BarbarenInnen“. Leider sieht es für mich nach elitärer Selbstprofilierung aus. Außerdem wäre es wichtig, finde ich, antstatt so negativer Kritik postive Verbesserungsvorschläge zu machen. Denn Jede/r kann groß daherreden und alles mieß machen, doch bei Verbesserungen hält mensch dann lieber die Klappe.

    Alles Gute

  15. „Während der Großteil der Schleswig-Holsteiner Restautonomen lieber im Wendland durch den Schlamm robbte und mit der Gutmenschen-Zivilgesellschaft gegen den Castor demonstrierte…“

    …sowie der übliche Klüngel aus erlebnisorientierten und mit Bierflaschen bestückten Punkerkiddies….

    so sieht Kritik aus?
    Wie es aussieht haben wir hier die neue Elite, die schon in jungen Jahren damit begonnen hat alles richtig zu machen und zuhause im Stübchen hockt Adorno und Foucault studiert und wenn irgendwas geklaut wird schnel die Bullen ruft.;-)

    Wer für sich selbst beansprucht Dinge Komplex zu analysisieren und dann etwas dermaßen stumpfes und verkürztes schreibt, muss partiell dermaßen verwirrt sein, dass ich mich frage ob es hier noch ums Ganze geht, oder eher um politische Grabenkämpfe!?

  16. ex-bewegungslinker Says:

    warum zur hölle regen sich eigentlich alle über diesen einen nebensatz über die castor-proteste auf? das der protest gegen den castor im wendland wohl kaum als „emanzipatorisches“ ereignis taugt, sollte ja wohl klar sein. oh man, diese verklärung von jedem halbwegs großen „protest“ zum „tollen ereignis“ geht mir echt auf die nerven und zeugt eher vom linken realitätsverlust, wie bereits beim G8 2007 geschehen. ansonsten, was bitte, lieber „ernst“, ist an dem satz „…sowie der übliche Klüngel aus erlebnisorientierten und mit Bierflaschen bestückten Punkerkiddies….“ verkürzt und stumpf? das es nicht gerade angebracht ist, auf einer demo, die immerhin in ihrer anfangsidee auf den 70. jahrestag der reichspogromnacht hinweist, zu saufen und peinliche, hohle parolen zu schreien, ist wohl auch dir klar, oder? und leider sind es eben meistens jüngere punker, die das zur demonstrationsmaxime erheben…
    achja, waren das jetzt schon wieder zuviele „fremdwörter“ für den geneigten bewegungslinken?

  17. Die Castor-proteste sind mit Sicherheit kein „emanzipatorisches Ereignis“, aber wer hat das auch behauptet?

    Aber ich denke trotzdem, das es wichtig ist dort hinzufahren, weil Radioaktivverseuchtes Grundwasser z.B. irgendwie nicht so lecker ist!

    Na klar ist saufen auf Demos scheiße, aber warum ist das nicht möglich mit den Menschen zu reden, die Bierflaschen o.ä. dabei haben???

    Und ich glaube ebenfalls, das mensch jüngeren leuten lieber etwas erklären sollte, als sie im Nachhinein zu denunzieren!

    Es können ja schließlich nicht alle leute zu eurer Elite gehören!

    Ihr habt doch den Anspruch etwas nach aussen zu tragen warum nicht auf Inhalte setzen anstatt sich an dem eigenen Fremdwortschatz zu ergötzen?

  18. Antinationalist Says:

    Ja, eigentlich wurde hier schon alles gesagt, was man an einem solchen Text kritisieren kann. Das mit den „Gutmenschen“ ist wirklich erschreckend. Ihr, die ihr so viel Wert auf die richtige Wortwahl legt, benutzt hier eine Bezeichnung für die CastorgegnerInnen, das häufig als Kampfbegriff von Nazis und Rechtskonservativen gegen Linke im Allgemeinen verwandt wird.
    Das ist keineswegs harmlos- man kann sich gar nicht genug über so viel Ignoranz aufregen.

  19. ex-bewegungslinker Says:

    also, es bezeichnet niemand die komplette anti-castor-bewegung als „gutmenschen“, sondern dort steht „gutmenschen-zivilgesellschaft“, damit ist die sog. „linksliberale mitte“ gemeint, die aufgrund von mülltrennung, einkauf beim bio-markt oder boykott sog. „böser konzerne“ sich selbst einen moralischen persilschein ausstellt, besser zu sein als der normale durchschnittsbürger, ohne ihr eigenes verhalten zu reflektieren. natürlich ist dieses wort provokant, aber der kritisierte satz ist ohnehin reine polemik. was ich an kritik akzeptiere, ist, jene, dass dieser satz komplett losgelöst vom übrigen text steht und keine weitere erläuterungen innehat, warum die verfasser des textes die anti-castor-bewegung nicht so sehr schätzen wie der großteil der übrigen linken/autonomen.

  20. @ex-bewegungslinker Says:

    Warum sich einige über diesen „Nebensatz“ so aufregen? Weil das Geschriebene für einen „Nebensatz“ einiges ausdrückt. Z.B. degradiert es die äußerst notwendigen Aktionen gegen Atomenergie als weniger wichtig. Neben der üblichen „Polemik“ die man ja schon seit Jahren von diesen Euren Kreisen gewohnt ist (und mit der Ihr auch die letzten Menschen außerhalb Eurer Kreise vergrault) , wird mal wieder (ganz nebenbei,im Nebensatz) auf die Linke herabgeschaut, die es doch tatsächlich schafft, sich auch anderweitig zu engagieren. Es gibt eben viel mehr Möglichkeiten als nur auf Antifa Demos eine Israel-Fahne zu schwingen, oder eben solche verschwurbelten Texte wie obigen zu produzieren. Und nun zur “Gutmenschen-Zivilgesellschaft”: Nur weil im Wendland auch viele Autonome demonstrieren/sabotieren, heißt das nicht, das dort mit der “Gutmenschen-Zivilgesellschaft” gemeinsame Sache gemacht wird, wie uns dieser „Nebensatz“ suggerieren soll. Allein schon die Gewalt-Frage trennt die Autonomen von vielen anderen, die dort demonstrieren. Wenn man der im Text beschriebenen Logik des „zusammen demonstrierens“ folgt, kann man ebenso Anti-Deutsche Gruppen kritisieren (Sofern man genauso gerne wie die Gruppe Sur l’eau pauschalisiert). Schließlich finden sich diese auch häufig bei Aktionen gegen Nazi-Aufmärsche, an denen eben auch die “Gutmenschen-Zivilgesellschaft” teil nimmt. Oder noch „schlimmer“: Auf der Großdemo gegen den Nazi-Aufmarsch am 1. Mai ´08 in Hamburg liefen Anti-Deutsche Gruppen ebenso wie das Anti-Imp Spektrum mit. Ich glaube kaum, dass das jemand zum Anlass genommen hätte, um zu behaupten „Anti-Deutsche demonstrieren zusammen mit den Anti-Imps“. Obwohl das natürlich DIE Polemik schlechthin gewesen wäre.

  21. Die „Gewalt-Frage“, wie? Wer hier -statt- am Inhalt einen zentralen Unterschied festmacht, hat sich dann jawohl von jedem emanzipatorischen Inhalt befreit und möchte nicht mehr als als Hooligan im Dienste der „Sozialen Bewegungen“ mal deftig die Sau rauslassen… Geh zum Fussball, wäre vor dem Hintergrund ehrlicher…

  22. Wer lesen (und verstehen) kann, ist klar im Vorteil. Ich schrieb „ALLEIN SCHON die Gewalt-Frage(…)“, das schließt also auch durchaus andere Dinge mit ein. Apropos „Inhalt“: Soviel „Inhalt“ kann bei deinem Kommentar auch nicht finden. Aber was solls, was anderes hab ich auch nicht erwartet, als ich meinen Kommentar schrieb. Ach ja: Zum Fussball gehe ich in der Tat!

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